Torgau (TZ). Die Glasproduktion und -verarbeitung gehören zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in der Region. Hunderte von Arbeitsplätzen werden davon bestimmt. In einem Exklusiv-Interview stellte sich Uwe Naumann, Geschäftsführer der Flachglas Torgau GmbH, die zum Weltkonzern Saint Gobain gehört, den Fragen der Torgauer Zeitung.
TZ: Werfen wir zunächst einen Blick auf die aktuelle Produktionslage. Leidet das Torgauer Glaswerk unter der Wirtschaftskrise?
Uwe Naumann: Das letzte Halbjahr 2009 bescherte uns volle Auftragsbücher. Wir kamen mit der Produktion kaum nach. In drei Schichten wurde an sieben Tagen die Woche gearbeitet. In den letzten vier bis sechs Wochen spüren wir doch einen Rückgang der Nachfrage.
Wo sehen Sie die Ursachen?
Der langanhaltende Winter macht den Bauleuten zu schaffen. Viele Projekte mussten gestoppt oder konnten gar nicht erst begonnen werden. Das bekommen wir zu spüren.
Bedeutet dies, dass Arbeitsplätze in Gefahr sind?
Zur Zeit denken wir an keine Personalreduzierung. Die Produktionslinien laufen im Moment rund um die Uhr und wir müssen sehen, wie sich die Nachfragesituation entwickelt.
Wie hoch ist denn die aktuelle Mitarbeiterzahl der Flachglas Torgau GmbH?
Wir liegen bei circa 250, inklusive der Azubis.
Da würde ich gern eine Zwischenfrage loswerden. Wie steht es denn in Ihrer Branche mit dem Berufsnachwuchs. Allerorten ist von einem Mangel an geeigneten Bewerbern die Rede.
Auch wir stellen das fest. Für unsere fünf Ausbildungsplätze gibt es deutlich weniger Bewerber als bisher.
Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Wie sicher ist der Glasstandort Torgau?
Ich verstehe die Frage mal in Richtung von Investitionen. Da ist an erster Stelle der Bau einer zweiten Magnetronanlage, die Gläser beschichtet, vorgesehen. In diesem Jahr wird allein für Planungsleistungen eine sechsstellige Summe bereitgestellt.
Gibt es weitere Projekte?
Ja, wir hoffen, dass wir in diesem Jahr das Geld für eine Lagererweiterung erhalten. Die Projektierung dafür liegt in den letzten Zügen – sobald wir das Geld bekommen, soll der Bau begonnen werden. Darüber hinaus werden mehrere Vorhaben zur Optimierung und Qualitätssicherung an der Float- und Magnetronanlage realisiert.
Begrenzung der Luftverschmutzung, Einhaltung von vorgegebenen Emissionswerten – das sind sicher Themen, die um das Torgauer Glaswerk keinen Bogen machen.
Genau so ist es. Wir betreiben einen hohen Aufwand, die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten und sind stolz darauf, dass uns dies auch im vergangenen Jahr gelungen ist. Jedoch steigen auch hier die Anforderungen, denen wir uns natürlich stellen müssen. Deshalb laufen zur Zeit die Projektierungsarbeiten zur weiteren Reduzierung der Abgasemissionen, die wir bis zum Herbst 2012 in die Praxis umsetzen werden.
Das klingt alles sehr gut. Die Probleme scheinen um Sie und das Werk wohl einen echten Bogen zu machen?
Das wäre wohl ein Traum. Im Ernst, der Alltag sieht schon anders aus.
Wie darf ich das verstehen?
Trotz bewährter Abläufe kommt es auch immer wieder zu Störungen, ob nun technisch bedingt oder anderer Herkunft. Generell muss man jedoch sagen, dass wir uns selbst täglich einen positiven Druck aufbauen, indem wir gemeinsam mit unseren Kunden die Anforderungen an unsere Produkte kontinuierlich höher setzen. Auf diese Art und Weise schaffen wir es, uns auch im engen Wettbewerb durch Produktverbesserungen von der Masse abzusetzen. Das ist übrigens Konzernstrategie und trifft nicht nur für das Werk Torgau zu!
Wenn ich unser Gespräch zusammenfassen darf, dann blicken Sie optimistisch in die Zukunft, was den Glasstandort Torgau betrifft?
Es gibt keinen Grund zu Pessimismus, ganz im Gegenteil. Die gesamte Mannschaft leistet eine hervorragende Arbeit, für die ich mich an dieser Stelle bedanken möchte. Unsere Leistungen werden von den Kunden und im Konzern anerkannt Das wird uns auch künftig Ansporn sein!
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